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Directory Of Year 2000, Issue 12
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CHINA BÜCHER

Year:2000 Issue:12

Column: Rubriken

Author:

Release Date:2000-12-01

Page: 55-58

Full Text:  

Also sprach der Weise...

Der Philosoph Karl Jaspers zählt ihn zu den ,,vier weltweit maßgebenden Menschen der letzten drei Jahrtausende“ - neben Sokrates, Buddha und Jesus. Unbestritten ist, daß Konfuzius die Kultur, Politik und Sozialgeschichte in Ostasien entscheidend geprägt hat, wenngleich man sich bei der Lektüre vieler der ihm zugeschriebenen Äußerungen aus heutiger Sicht (pardon, Meister Kong!) über deren simple Beschaffenheit wundert. Was einmal konfuzianische Weisheiten gewesen sein mögen, klingt heute wie das Kleine ABC der Moral. Oder es sind von der gesellschaftlichen Entwicklung gottlob überholte Ideen wie beispielsweise die Hierarchie-Theorie, wonach der Bürger dem Herrscher, die Frau dem Mann, der jüngere dem älteren Bruder usw. zum Gehorsam verpflichtet seien.

Allerdings findet sich bei Konfuzius ein wichtiger Gedanke, dessen Beherzigung man sich nach wie vor wünscht: ,,Nicht Erlasse und Gesetze besitzen die notwendige Kraft, um den Menschen zum edlen Menschen zu zivilisieren. Das ist nur durch Erziehung und moralische Führung zu erreichen.“ Eltern und Politikern ins Stammbuch geschrieben!

Angesichts der heute zunehmend kontrovers geführten Diskussion über asiatische Werte ist es sicher sinnvoll, einen der Väter dieser Werte und seine Philosophie besser kennenzulernen. Das Buch von Xuewu Gu, Privatdozent für Wissenschaftliche Politik in Freiburg, ist ein guter Einstieg.

Xuewu Gu: ,,Konfuzius zur Einführung“, Junius Verlag, 160 Seiten, DM 19,80

Gut gefälscht, David!

China-Experten und solche, die sich dafür halten, sind nach Erscheinen des Buches ,,Stadt des Lichts“ über David Selbourne hergefallen und haben ihm Fälschung vorgeworfen. Er sei nicht, wie er vorgibt, der Übersetzer eines in seine Hände gekommenen über 700 Jahre alten Manuskripts, das die abenteuerliche Reise eines jüdisch-italienischen Händlers nach China (noch vor Marco Polo!) schildert, sondern habe sich die Geschichte ausgedacht. Das Buch ,,hat einen Sturm ausgelöst“, schreibt Selbourne in einem angehängten Kapitel.

Nach der Lektüre des 520 Seiten starken Werks finde auch ich mich im Lager derer, die von einer Fälschung überzeugt sind. Aber das Buch ist lesenswert, und wahrscheinlich wäre es nicht halb so interessant, wenn es tatsächlich der angebliche Kaufmann Jacob von Ancona verfaßt hätte. Denn Selbourne packt eine solche Fülle von Wissen hinein, wie es einem mittelalterlichen Kaufmann, auch einem sehr gebildeten, wohl kaum zur Verfügung stand.

,,Eine spannende, kenntnisreiche Geschichte“, schreibt die Frankfurter Neue Presse. Stimmt!

David Selbourne: ,,Stadt des Lichts - Die unglaubliche Reise des Jacob von Ancona“, Gustav Lübbe Verlag, 520 Seiten, reich illustriert, DM 24,90

Spannende Reise, reizvoller Stil

Im Jahre 1704 erschien in Amsterdam eine Schrift mit dem Titel ,,Driejaarige Reize naar China“, verfaßt von einem Kaufmann namens Eberhard Isbrand Ines. Bereits sechs Jahre vorher hatte ein Adam Brand, ebenfalls Kaufmann, in Hamburg sein Buch ,,Beschreibung der Chinesischen Reise“ veröffentlicht Die Autoren waren Mitglieder einer russischen Gesandtschaft, 22 Personen umfassend, die im Auftrag Zar Peters des Großen in diplomatischer und handelspolitischer Mission ihren Weg von Moskau nach Peking genommen hatte. Ines war der Leiter.

Beide Publikationen fanden damals große Aufmerksamkeit. Es war die Zeit einer wahren China-Begeisterung, ausgelöst durch die sich verstärkenden Handelsbeziehungen englischer und holländischer Überseekompanien mit China und durch Berichte von Missionaren aus dem Reich der Mitte.

Nun sind diese seinerzeit in mehrere Sprachen übersetzten Berichte in einem Band vereint. Das Buch wird für alle jene ein Lesevergnügen sein, die sich gern mit historischen Reisebeschreibungen beschäftigen. So spannend wie das Miterleben der Reise durch die Weiten Sibiriens und die Mandschurei bis an den Kaiserhof in Peking sowie des Aufenthalts in der chinesischen Hauptstadt, so reizvoll ist die Lektüre einer Sprache, die längst der Vergangenheit angehört. Der Herausgeber hat dankenswerterweise den besonderen Charakter und Charme des frühneuzeitlichen Sprach- und Schriftstils und die Eigenheiten einer Zeit, die noch keine verbindliche Rechtschreibung kannte, beibehalten.

,,Beschreibung der dreijährigen Chinesischen Reise“, Franz Steiner Verlag, 364 Seiten, zahlreiche zeitgenössische Illustrationen, DM 136.-

Vom Götterhimmel zu MacDonald's

In seiner langen Geschichte hat China eine verwirrende Fülle von Vorstellungen entwickelt, wie das Glück des Menschen beschaffen sein könnte und wie es zu erreichen sei. So wurde im Taoismus der Himmel mit Göttern bevölkert und in der Erlangung der Unsterblichkeit das Ziel menschlichen Strebens erblickt. Hingegen entwarf der Konfuzianismus ein ganz und gar diesseitiges Konzept der Glücksfindung. Dann gab es, noch nach der Gründung der Volksrepublik, für einige Zeit das asketische Ideal der Armut, während heute ein Großteil der Bevölkerung im Konsum das Glück zu suchen scheint. Und daneben existieren heute die sonderbarsten Heilslehren. So wie jene, die in jüngster Zeit so viel von sich reden machte, weil sie mit ihrem Versprechen, der Mensch könne sich kosmische Kräfte zunutze machen, einen solchen Zulauf hatte, daß sie schließlich verboten wurde.

Prof. Dr. Wolfgang Bauer hat den Utopien in der Geistesgeschichte Chinas nachgespürt und ein bedeutendes Buch über die Philosophie und Literatur der Chinesen unter dem besonderen Aspekt der Glücksvorstellungen geschrieben. Die meisten der angeführten Originaltexte sind vorher noch nie ins Deutsche übertragen worden.

Wolfgang Bauer: ,,China und die Hoffnung auf Glück“, Deutscher Taschenbuch Verlag, 704 Seiten, DM 24.80

Ein Blick zurück ohne Zorn

Im Nachwort zur sechsten Auflage ihrer Lebenserinnerungen schreibt Eva Siao: ,,Ich denke an die vielen meiner meist schon verstorbenen Freunde, die ihr Leben lang mit Wort und Schrift und mit ihrer Kunst für die Idee des Kommunismus gekämpft haben. (...) Letzten Endes wurden sie nur betrogen. (...) China, das immer seine eigenen Wege gegangen ist, scheint zu versuchen, dieses nicht lebensfähige System zu verändern.“

Die junge Eva Sandberg lernt in den dreißiger Jahren in Moskau den chinesischen Dichter Emi Siao kennen. Sie heiratet ihn und folgt ihm wenig später nach China. Die Revolution und der Aufbruch des neuen China nach 1949 reißen sie mit. Wie unzählige andere, gerät auch sie in die Mühlen der Kulturrevolution. Sieben Jahre verbringt sie in Einzelhaft.

Eva Siao, inzwischen 89 Jahre alt, lebt noch immer in China, in Beijing. Ihr Buch wurde in mehrere Sprachen übersetzt, über ihr Leben wurden zwei Dokumentarfilme gedreht, ihr umfangreiches fotografisches Werk hat man in zahlreichen Ausstellungen gezeigt.

Ein Blick zurück im Zorn? Nicht mit Eva Siao! ,,Trotz aller meiner Kritik“, schreibt sie, ,,liebe ich dieses Land, wie man eben einen Menschen liebt, auch wenn er nicht vollkommen ist.“

Eva Siao: ,,China - mein Traum, mein Leben“, ECON Taschenbuch Verlag, 619 Seiten, DM 19.90

Der Rückfall ins Chaos

Cong Weixi, heute in China als vielgefragter Journalist und Publizist tätig, hat zwanzig Jahre in chinesischen Arbeitslagern verbracht. Er gehört zu den wenigen, die als erste offen über ihre Erfahrungen geschrieben haben, und er ist einer der ganz wenigen, die ihre schlimmen Erfahrungen in der dazu passenden Sprache schildern: bitterböse.

,,Einst konnte Dante von sich sagen: Wer, wenn nicht ich, hat je das Höllenreich erfahren! Dann aber erlebte China das Jahr 1957. Hunderttausende Intellektuelle wurden als ,rechte Elemente' angeprangert und zur Umerziehung in die Weiten unseres Landes vertrieben. So bedacht, hätte sich Dante, der verblichene Weise, bei seiner Höllenfahrt nicht mehr einsam fühlen müssen.“

Cong Weixi hat mit seiner Haftprosa all jenen ein Denkmal gesetzt, deren Schicksale durch den schnellen Wandel im Zuge der Reform und der Öffnung Chinas aus dem allgemeinen Bewußtsein verdrängt wurden.

Es ist eine Lektüre, die einen nicht nur mitleiden läßt mit den Opfern in ihrer Hilflosigkeit, sondern ebenso erschüttert ob der totalen Verführbarkeit der Täter. Und sie wirft natürlich die Frage auf, die Cong Weixi in diesen Satz verpackt: ,,Seriösen Historikern und Fachleuten für Parteigeschichte wird es vorbehalten sein zu erforschen, wieso Mao Zedong damals in solcher Selbstherrlichkeit dieses Kesseltreiben gegen die Intellektuellen inszenieren konnte.“

Cong Weixi: ,,Rückfall ins Chaos“, Projekt-Verlag, Bochum, 239 Seiten, DM 26.-

Das Leben einer starken Frau

Die junge Frau, die uns vom Buchtitel anblickt, war zum Zeitpunkt der Aufnahme 24 Jahre alt und lebte in Berlin. Mit 15 war sie in China an den späteren Dichter Hsü Chih-mo verheiratet worden, einen der Wegbereiter der modernen chinesischen Literatur, hatte jetzt mit 24 bereits zwei Kinder geboren und war nun geschieden. Chang Yu-i wurde 88 Jahre alt. Sie starb 1989 in New York.

Das Schicksal dieser Frau hat ihre Großnichte Pang-Mei Natasha Chang aufgezeichnet. Sie läßt die Großtante selbst erzählen und verknüpft deren Schilderungen mit eigenen Erlebnissen und Ansichten. Die Autorin ist ein Kind des Westens, geboren in den USA.

Ausgebreitet wird vor uns das Leben einer starken Frau, die von ihrer Familie auf die traditionelle Rolle einer chinesischen Ehefrau vorbereitet wird, den vorgezeichneten Weg aber verläßt und sich selbst behauptet: als Kindergärtnerin in Berlin, als Dozentin für Deutsch an einer chinesischen Universität, als Chefin einer Bank von Frauen für Frauen in Shanghai und als Managerin eines Bekleidungsgeschäfts.

Es ist ein sehr schönes Buch in einer guten Übersetzung von Sabine Schwenk.

Pang-Mei Natasha Chang: ,,Grüner Tee und Coca Cola -Die Geschichte der Chinesin Yui“, Deutscher Taschenbuch Verlag, 263 Seiten, DM 19,50

Verantwortlich für die Seiten ,,China-Bücher“: Atze Schmidt

Ein braver Schweizer in Shanghai

Ein junger Kaufmann aus der Schweiz geht im Dienst seiner Firma 1946 nach Shanghai. Aus den vertraglich vereinbarten drei Jahren werden - bedingt durch die politischen Ereignisse in China -sechs. Er lernt Chinesisch, heiratet eine Chinesin und schreibt über 400 Briefe an seine Eltern: ein dokumentarisches Material, das dankenswerterweise vor der Auflösung und Entsorgung des elterlichen Haushalts gerettet wurde.

Die Schweizerische Gesellschaft für Volkskunst gibt seit Jahren die Schriftenreihe ,,Das volkskundliche Taschenbuch“ heraus, deren 23. Band den Titel ,,Briefe aus Shanghai 1946-1952“ trägt. Es lohnt sich, in diesen Briefen zu lesen. Sie schildern Zustände und persönliche Erlebnisse im China der Bürgerkriegszeit und der ersten Jahre unter Mao. Rene Schnell, der Briefschreiber, ist klein professioneller politischer Beobach-ter, sondern ein braver Schweizer, der ganz allmählich seine Erfahrungen mit China macht und klüger wird.

Im Vorwort des Buches liest man eine Dankadresse an denjenigen, der die Herausgabe der Briefe initiiert hat: Raoul David Findeisen, Sinologe aus der Schweiz, heute Leiter der Sektion Sprache und Literatur Chinas der Fakultät für Ostasien an der Universität Bochum. Vor etwas mehr als einem Jahrzehnt war Findeisen einer unserer Kollegen in Beijing - bei der ,,Beijing Rundschau“. Dank an ihn auch an dieser Stelle.

,,Briefe aus Shanghai 1946-1952“, Limmat Verlag Zürich, 268 Seiten, zahlreiche Fotos, DM 30.-

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