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Directory Of Year 2000, Issue 12
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Post aus der Partnerstadt

Year:2000 Issue:12

Column: Rubriken

Author:

Release Date:2000-12-01

Page: 63

Full Text:  

Da waren wir doch überrascht, als uns aus Berlin der Gruß einer langjährigen Leserin erreichte. Denn die Ansichtskarte zeigt unverkennbar die Große Mauer. ,,Viele Grüße aus Berlin“ steht gedruckt darüber.

Hat etwa die deutsche Hauptstadt, so lange an eine Mauer gewöhnt, nun ein Stück der Chinesischen Mauer kopiert? Das Bild aber zeigt eine bergige Gegend, und Berlin ist eher flach. Auch der Kienberg, eine seiner wenigen Erhebungen, ist bloß ein mickriger Hügel. Dort übrigens liegt Europas größter chinesischer Garten, ein Gemeinschaftsprojekt mit Berlins Partnerstadt Beijing, fertiggestellt in diesem Jahr.

Nein, Berlin ist sicher glücklich, seine Mauer loszusein, und das alte Sprichwort ,,Es gibt keine festere Mauer als die Einigkeit“ bewahrheitet sich nun dort. Die Große-Mauer-Ansichtskarte ist nur ein Spaß, eine Idee der Berlinerin Claudia Katz-Palme, die noch mehr so originelle Sachen herausgegeben hat. Lesern, die sich dafür interessieren, teilen wir gern ihre Adresse mit: Behaimstraße 11, 10585 Berlin.

- atze -

Auseinandersetzungen über die neu geprobten Dramen von Cao Yu

Um des 90. Geburtstags von Cao yu zu gedenken, hatte das Ensemble des Volkskunsttheaters seine drei bekanntesten Dramen neu aufgeführt. Eigentlich ist das Volkskunsttheater bekannt vor allem für Aufführungen von Stücken wie ,,Teehaus“ von Lao She, die das Leben der Chinesen im Alten China schildern. Aus diesem Grund wird es von manchen Leuten ,,Antiquitätenladen“ genannt. So ist es nicht verwunderlich, daß seine neuen Aufführungen von Cao Yus drei Dramen eine so hitzige Diskussion ausgelöst haben. Dazu Regisseur Ren Ming: ,,Ich finde die Diskussion wunderbar. Denn sie beweist, daß auch unser traditionsreiches Ensemble offen und lebendig ist.“

Die Zuschauer stuften die drei Aufführungen in drei Kategorien ein. Die von Gu Wei besorgte Inszenierung von ,,Gewitter“ wurde wegen der Originaltreue als traditionell bewertet. Ren Ming, der Regisseur von ,,Sonnenaufgang“, gilt nun als Reformist, weil er nur moderne Requisiten wie z. B. Handy und Computer sowie ein Luxushotel als Bühnenbild benutzt. Dagegen hat der ,,Theaterrevolutionär“ Li Liuyi das Drama ,,Freies Feld“ so verändert, daß man daran zweifeln kann, ob es wirklich von Cao Yu geschrieben wurde. Selbstverständlich mußte er die Stärkeste Kritik einstecken. Die Inszenierung von Ren Ming, die man zum Spaß ,,alter Wein in neuen Schläuchen“ nennt, war der größte Publikumserfolg.

In dem Meinungsstreit der Experten geht es vor allem darum, wie man klassische Werke behandeln soll. Ältere Experten wie Tian Benxiang, der Leiter des chinesischen Theaterinstituts, meinen, daß klassische Werke nicht verändert werden dürfen. Ren Ming ist anderer Ansicht. ,,Wenn klassische Werke nichts Neues bekommen, kann man sie nicht mehr klassisch nennen.“

So hat das Volkskunsttheater, das vor allem für seine Tradition bekannt ist, eine längst fällige Diskussion ausgelöst. Reform ja oder nein? Ein Journalist schrieb: ,,Wir sollten dafür eintreten, im Theater hundert Blumen blühen und hundert Schulen miteinander wetteifern zu lassen“, und er fügte hinzu: ,, und nicht nur im Bereich Theater.“

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