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Directory Of Year 2000, Issue 12
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Die wechselvolle Geschichte der deutsch-chinesischen Beziehungen

Year:2000 Issue:12

Column: China und das Ausland

Author: Von Ye Jun

Release Date:2000-12-01

Page: 42-44

Full Text:  

DIE chinesisch-deutschen Beziehungen lassen sich entsprechend den Veränderungen der China-Politik der deutschen Regierungen in vier Perioden gliedern: Die Entlassung von Bismarck markierte eine völlige Neuorientierung der deutschen Innen- und Außenpolitik. Eine der Folgen: Kaiser Wilhelm II. verlangte eine Kolonie in China und ließ 1898 die Jiaozhou-Bucht besetzen. Die Niederlage Deutschlands im Ersten Weltkrieg fühlte erneut zu einer grundlegenden Wende in den bilateralen Beziehungen, d.h. Deutschland verlor alle seine Privilegien in China. Von diesem Zeitpunkt bis 1927 war das deutsch-chinesische Verhältnis von Gleichberechtigung gekennzeichnet.

Vor 1897: Nützliche Kontakte für beide Seiten

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurde China immer enger in die Entwicklung der Weltwirtschaft und internationalen Politik eingebunden. Die neuzeitlichen, wirtschaftlichen und diplomatischen Beziehungen zwischen Deutschland und China begannen damit, daß China fortschrittliche Wissenschaft und Technologie einführte, während Deutschland sich zu einer wirtschaftlichen und militärischen Großmacht entwikkelte. Nach dem Zweiten Opiumkrieg wurde in China der politische Einfluß der sogenannten Selbststärke-Gruppe (Jiawupai) immer stärker. Sie forderte eine ,,neue Politik“ und ,,Stärke aus eigener Kraft (Ziqiang)“. Allem voran stand der Wille nach Beherrschung der überlegenen westlichen Waffentechnik. 1862 befahl die Qing-Regierung, alle Soldaten nach dem westlichen militärischen Vorbild ausbilden zu lassen. Der Kanzler der Qing-Regierung, Li Hongzhang, entsandte sogar Beamte nach Großbritannien, um sich dort über das Militärwesen zu informieren, sowie eine weitere Gruppe nach Deutschland, um von der Waffenproduktion zu lernen. 1885 wurden deutsche Ausbilder an die Militärakademie Tianjin eingeladen. Und nach dem chinesischjapanischen Krieg im Jahre 1904 wurden zwei neue Armeekorps nach dem deutschen Modell aufgebaut. Das eine, ,,Truppe der Stärke aus eigener Kraft (Ziqiangjun)“ genannt, unterstand Zhang Zhidong, das andere hieß ,,Das neue Heer (Xinjianlujun)“ und wurde von Yuan Shikai geleitet.

Auch die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Ländern waren eng. 1895/96 nahm sowohl die Zahl der China angelaufenen deutschen Schiffe als auch der deutschen Unternehmen in China den zweiten Platz kurz hinter Großbritannien ein. Deutschland war zu dieser Zeit das zweitgrößte Importland Chinas. Der Schwerpunkt des deutschen Handels war die Militärtechnik. Vor allem Krupp lieferte Ende 1880 Ausrüstung nach China.

In dieser Hinsicht war Deutschland damals in den Augen der Chinesen ein hochgeschätzter und starker Staat. Zwar hatte schon in den 50er Jahren des 18. Jahrhunderts das erste deutsche Schiff in China angelegt, doch die offiziellen Beziehungen zwischen beiden Ländern begannen erst mit der Unterzeichnung des Tianjin-Vertrages am 2. September 1861. Dadurch wurden Preußen und der Norddeutsche Bund meistbegünstige Handelspartner von China. Trotzdem waren Deutschlands Möglichkeiten in China beschränkt, und der Hauptgrund lag darin, daß der chinesisch-deutsche Handel hinsichtlich des Transports auf dem Meer von Großbritannien abhängig war.

In der ersten Phase waren die chinesisch-deutschen Beziehungen reibungslos. Deutschland stellte im Vergleich zu den anderen Mächten relativ wenige Forde-rungen an China. China hatte Respekt vor den Deutschen und registrierte durchaus die Unterschiede zwischen Deutsch-land und den anderen westlichen Mächten, wie Prof. Ke Weilin in seinem Buch ,,Die Tschiang Kai-schek-Regierung und Nazi-Deutschland“ schreibt: ,,Bis Ende 1890 war Deutschland noch eins von den Ländern, die für China keine Bedrohung darstellten. Das vereinigte deutsche Reich mit seinem schnellen wirtschaftlichen Aufschwung war für die chinesische Regierung eine Ermutigung und ein Vorbild dafür, daß ein schwaches Land durch eigene Planung und eigene Bemühung schnell stark werden kann.“ Das deutsche politische System und die absolute Autorität seiner Zentralregierung sowie deren Fähigkeit zur Unterdrückung oppositioneller Meinungen waren vorbildlich für manche chinesische Reformer am Ende der 90er Jahre des 19. Jahrhunderts.

1897 bis 1918: Kolonialmacht mit großen Ambitionen

Reichskanzler Otto von Bismarck, der die deutsche Politik mehr als zwanzig Jahre bestimmt hatte, wurde 1890 entlassen, Deutschland trat in die Ära von Wilhelm II. ein. Der zweite Kaiser des Zweiten Deutschen Reichs war ein Monarch mit großer persönlicher Durchsetzungskraft. Seine Devise war: ,,Ich kenne nur zwei politische Gruppen, die eine für mich und die andere gegen mich.“ Er forderte die Anerkennung seiner absoluten Autorität und die völlige Durchführung seines persönlichen Willens. Dies führte auch dazu, daß viele, die ihn umgaben, Schmeichler waren. Auf der internationalen Bühne und insbesondere in Europa stand Deutschland noch nicht vor großen Herausforderungen. Während der Ära von Wilhelm II. wurde Deutschland zu einer europäischen industriellen Großmacht. Doch die Wirtschaft brauchte neue Rohstoffquellen, neue Absatzmärkte und neue Möglichkeiten der Investition des Kapitals. So kam es infolge des Ungleichgewichts der Wirtschaftsentwicklung, des Marktanteils und der Verteilung der Kolonien zu einem Interessenskonflikt zwischen den verschiedenen imperialistischen Ländern. Am Ende des 19. Jahrhunderts entsprachen die deutschen Kolonien nur etwa 10% jener Großbritanniens. Bismarck hatte den Schwerpunkt seiner Politik auf eine stabile Innenpolitik gelegt, doch dies entsprach nicht den Ambitionen von Wilhelm II., der die Gründung eines großen Kolonialreichs anstrebte und deutsche Politik zur Weltpolitik erhob.

In dieser Hinsicht war China natürlich attraktiv für den neuen Kaiser. Die Besetzung des Gebietes Jiaozhou mit der Stadt Qingdao war die erste Folge seiner grundlegenden Veränderung der Bismarckschen Innen- und Außenpolitik. Durch einen China auferlegten Pachtvertrag sollte das Gebiet von 1898 an für 99 Jahre an Deutschland verpachtet werden.

Im Jahre 1900 brach in China der Boxeraufstand gegen die imperialistischen Aggressoren aus. Zur Unterdrückung des Aufstandes schickten Deutschland und sieben andere Westmächte Truppen nach China. Das deutsche Kaiserreich machte sich zu ihrem Führer. Wilhelm II. hielt vor seiner Armee eine Rede, in der er sagte: ,,Erscheint der Feind vor euch, so wird er niedergeschlagen. Pardon wird nicht gegeben. Gefangene werden nicht gemacht. Wie vor tausend Jahren die Hunnen unter ihrem König Etzel sich einen Namen gemacht, so möge der Name Deutscher in China tausend Jahre durch euch in einer Weise bestätigt werden, daß niemals wieder ein Chinese wagt, einen Deutschen auch nur scheel anzusehen.“

Danach erstickten die Kolonialmächte unter der Führung des deutschen Grafen Waldersee, der zum Oberbefehlshaber aller imperialistischen Streitkräfte in China ernannt worden war, den Boxeraufstand mit einem Blutbad.

All dies jedoch hatte noch keinen starken Einfluß auf den Umfang des chinesisch-deutschen Handels, auch wenn sich die chinesische Regierung nach 1898 nicht mehr so freundlich den deutschen industriellen Kreisen gegenüber verhielt, die bis zum Ende des Ersten Weltkrieges stets von China als ihrem künftigen großen Markt träumten.

Zu erwähnen ist, daß die deutschen industriellen Kreise gleich zu Beginn ihrer Aktivitäten in China große Aufmerksamkeit der Entwicklung der kulturellen Beziehungen schenkten. Mit der Verbreitung der deutschen Kultur sollten ihre wirtschaftlichen Interessen gefördert werden. Vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges forderte ein Eilantrag der deutschen Regierung einen Zuschuß von fünf Millionen Reichsmark für die Verbreitung des deutschen Bildungswesens in China, damit Deutsch in Konkurrenz zu Englisch zum Pflichtfach an chinesischen Schulen würde. Die Ergebnisse waren auch bemerkenswert. Nach dem deutschen Bildungswesen in dieser Zeit ausgebildete Persönlichkeiten wie Zhu Jiahua und Yu Dawei sollten in der Zukunft wichtige Politiker werden und bedeutende Rollen bei der Entwicklung der bilateralen Beziehungen spielen, besonders auf wirtschaftlichem Gebiet.

1918 bis 1927: Ausbau des deutschen Chinahandels

Die Bemühungen um die Chinas Einführung von Technik und Erzeugnissen aus Deutschland brachten beiden Seiten Nutzen. Doch dann hatte die deutsche Aggression die beiden Staaten in unmittelbaren Konflikt gebracht. So waren die bilateralen Beziehungen vom Ende des neunzehnten Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges sowohl vom gegenseitigen Nutzen geprägt als auch von schweren Rückschlägen, ein Verhältnis, das die Entwicklung der chinesischdeutschen Beziehungen nachhaltig beeinflußte.

Ab den 20er Jahren und besonders nach der Machtergreifung Hitlers widmete sich die deutsche Regierung vor allem der Aufrüstung und der Vorbereitung eines Krieges. Dies bestimmte auch die weiteren deutsch-chinesischen Beziehungen. Die Chinapolitik des deutschen Außenministeriums zielte darauf ab, diplomatische Probleme mit China friedlich zu lösen, um eine neue Rückkehr der deutschen Unternehmen nach China zu ermöglichen. Dabei erzielten die Deutschen bemerkenswerte Erfolge. Der erste gleichberechtigte Vertrag nach dem Ersten Weltkrieg zwischen China und einer westlichen Macht war der am 20. Mai 1921 unterzeichnete chinesisch-deutsche Vertrag, der für eine aktive Entwicklung des deutschen Handels in China von großer Bedeutung war. In dem Vertrag verzichteten die Deutschen auf alle Privilegien und Begünstigungen sowie auch auf die Gengzi-Reparation vom Jahr 1901 und zahlten eine große Summe für die Kosten der im Krieg verhafteten Deutschen an die chinesischen Regierung. Der Verlust früherer Privilegien in China wurde jedoch mehr als wettgemacht durch den Ausbau des deutschen Handels. ,,Durch die Preisgabe dieser Privilegien“, so notierte ein chinesischer Diplomat 1930, ,,hat Deutschland eine ausgezeichnete Stellung im Chinahandel gewonnen. Ohne deutsche Konsulate, Gerichte, Kanonenboote und Wachtmannschaft der Botschaft bekam Deutschland wieder seine wirtschaftlichen Stützpunkte.“

Die sich so entwickelnden deutsch-chinesischen Beziehungen waren jedoch abhängig von den innenpolitischen und gesellschaftlichen Situationen der beiden Länder, denen wir uns in einem späteren Beitrag zuwenden.

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