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Directory Of Year 2000, Issue 12
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Vom Kniefall vor dem Kaiser zur Diplomatie der Vernunft

Year:2000 Issue:12

Column: Gesellschaft

Author: Von Peng Chunyan

Release Date:2000-12-01

Page: 18-20

Full Text:  

CHINA ist ein Land mit einer 5000jährigen Zivilisationsgeschichte. Sein eigenes politisches Gedankengut hat auf die Entwicklung der auswärtigen Beziehungen Chinas große Einflüsse ausgeübt.

Im feudalen China bezeichneten sich die Kaiser als ,,Himmelssöhne“. Mit dem ,,Mandat des Himmels“ herrschten sie über das Volk. So gesehen war die Erde ihr Besitz, und die auf der Erde lebenden Menschen waren ihre Untertanen. Das wiederum hieß, China als das Zentrum der Welt zu betrachten. Natürlich war es dem Kaiser unmöglich, die ganze Welt zu regieren. Doch er war Herr des Reichs der Mitte. Vom Gesichtspunkt des Kaisers aus kamen Abgesandte anderer Völker freiwillig zu ihm zu Audienzen, sofern sie aufgeklärt waren. Wenn sie nicht kamen, konnte das nur bedeuten, daß sie noch nicht zivilisiert waren, und es war deshalb die Herrschaft über sie nicht wert.

Das ,,Tributsystem“ als die eigentliche Form der diplomatischen Beziehungen im alten China anzusehen, ist falsch. China war während der Han-, Tang-, Song-, Yuan-, Ming- und Qing-Zeit ein starkes Land. Viele Nachbarländer wie Korea, Japan und die Länder aus Zentralasien schickten Gesandte zu Audienzen nach China. Doch die Beziehungen zwischen ihnen waren ungleich. Die Gesandten entrichteten Tribute und gaben sich als Untertanen. Diese ungleiche Beziehung zeigt sich auch darin, daß die chinesischen Kaiser niemals einen Gegenbesuch abstatteten.


Felsmalerei aus der Tang-Dynastie (um das Jahr 700). Drei ausländische Gesandte (r.) werden von drei chinesischen Beamten zur Audienz beim Kaiser geführt

Felsmalerei aus der Tang-Dynastie (um das Jahr 700). Drei ausländische Gesandte (r.) werden von drei chinesischen Beamten zur Audienz beim Kaiser geführt


1860 wurde das ,,Amt zur Erledigung auswärtiger Angelegenheiten“ von der Qing-Regierung eingerichtet

1860 wurde das ,,Amt zur Erledigung auswärtiger Angelegenheiten“ von der Qing-Regierung eingerichtet

Westler bezeichnen die chinesische Diplomatie oft als die ,,Prestige-Diplomatie“. Um das ,,Prestige“ zu wahren, also nur um den formellen Kaiserstatus aufrechtzuerhalten, kam es in der späten Qing-Dynastie zu vielen Problemen im Verkehr mit ausländischen Regierungen. Als die Qing-Regierung den ersten Opiumkrieg (1840-1842) verlor und gezwungen wurde, den schmählichen ,,Vertrag von Nanjing“ zu unterzeichnen, gab sie sich nicht als Verlierer, sondern behauptete, der Handel mit England sei der großen Gnade des Qing-Kaisers zu verdanken. Die Handelstätigkeiten wurden damals nur an einigen Häfen eingeschränkt und die englischen Gesandten durften noch nicht nach Beijing. Im zweiten Opiumkrieg wurde die Qing-Regierung von den englischen und französischen Invasionstruppen besiegt, Beijing, das damals noch Peking hieß, wurde erobert. Laut dem danach geschlossenen ,,Vertrag von Peking“ durften ausländische Gesandte in die Hauptstadt. Bei der Audienz forderte die Qing-Regierung diese Gesandten auf, vor dem Kaiser niederzuknien. Diese Forderung wurde jedoch abgelehnt. Schließlich hat das ,,Amt zur Erledigung auswärtiger Angelegenheiten“ folgende Kompromiß-Lösung gefunden: Die physiologische Struktur der Ausländer sei anders als die der Chinesen. Sie könnten ihre Knien nicht beugen, weshalb sie sich vor dem Kaiser nur verbeugten.


Im April 1955 hat der damalige Ministerpräsident Zhou Enlai auf der ersten Asiatisch-Afrikanischen Konferenz in Bandung die ,,Fünf Prinzipien der friedlichen Koexistenz“ verkündet

Im April 1955 hat der damalige Ministerpräsident Zhou Enlai auf der ersten Asiatisch-Afrikanischen Konferenz in Bandung die ,,Fünf Prinzipien der friedlichen Koexistenz“ verkündet

Seit der Gründung des Neuen China praktiziert die chinesische Regierung die ,,Fünf Prinzipien der friedlichen Koexistenz“ und behandelt die Beziehungen mit allen Ländern gleichberechtigt. In Bezug auf die Diplomatie ist die Vorstellung von einer Überlegenheit des ,,Reichs der Mitte“ nicht mehr die Leitlinie, doch ihre Einflüsse wirkten noch einige Zeit nach. In den 50er und 60er Jahren rang China mit der ehemaligen Sowjetunion um das ,,revolutionäre Zentrum der Welt“, woran die chinesisch-sowjetische Beziehung schließlich zerbrach.


Seit der Einführung der Reform- und Öffnungspolitik haben sich die Beziehungen Chinas mit dem Ausland ständig vertieft und erweitert. Das Bild zeigt Deng Xiaoping bei einem Auslandsbesuch

Seit der Einführung der Reform- und Öffnungspolitik haben sich die Beziehungen Chinas mit dem Ausland ständig vertieft und erweitert. Das Bild zeigt Deng Xiaoping bei einem Auslandsbesuch

Ende der 70er Jahre hat China die Reform- und Öffnungspolitik begonnen. Seither sind diese alten Ideen vollends passe. Die chinesische Führung ist zu der Erkenntnis gekommen, daß Frieden und Entwicklung die Hauptströmung der Weltentwicklung sind. Die wirtschaftliche Globalisierung und die Hochtechnologie entwikkeln sich sprunghaft. China will und muß in die Weltentwicklung integriert werden. In den letzten 20 Jahren haben sich die Verbindungen zwischen China und der restlichen Welt erheblich erweitert. Das chinesische Volk hat mehr Kenntnisse über die Außenwelt als je zuvor. Nie vorher haben chinesische Staats- und Regierungschefs so oft Besuche in so vielen Ländern und Gebieten abgestattet.


Am 7. September 2000 fand auf Initiative Chinas die erste Gipfelkonferenz der fünf ständigen Mitgliedsstaaten seit der Gründung der UNO in New York statt

Am 7. September 2000 fand auf Initiative Chinas die erste Gipfelkonferenz der fünf ständigen Mitgliedsstaaten seit der Gründung der UNO in New York statt

Zur Zeit verfügt China über ein starkes Potential und einen hohen internationalen Status. Darauf sind die Chinesen stolz, doch unter diesen Umständen muß man sich hüten vor der Rückkehr eines extremen Nationalismus.

Aus den geschichtlichen Fakten ist zu erkennen, daß die Chinesen seit alters her kaum expansionistische Ambitionen haben. Die Kämpfe gegen die nördlichen Nomadenvölker in der Han- und Tang-Dynastie sowie die Unterdrückung der Revolten in Xinjiang, der Mongolei und in Südwestchina in der Qing-Zeit waren keine Aktionen im Sinne einer Expansion, sondern Maßnahmen, um die Staatssicherheit aufrechtzuerhalten. Trotzdem wurden und werden diese Taten von chinesischen Historikern oft kritisiert. Die Aggression gegen Korea, verübt vom Kaiser Yangdi in der Sui-Dynastie (581-618), gilt zurecht als verabscheuungswürdig, und sie war auch einer der Gründe, die zum Untergang der Sui-Dynastie führten.

Nach der Gründung der Volksrepublik hat China am Korea-Krieg teilgenommen, und wegen der Grenzkonflikte zwischen China und Indien, China und der damaligen Sowjetunion sowie China und Vietnam gab es ebenfalls Kriege. Dabei war China jedoch nie Aggressor, sondern Verteidiger. Denn die chinesische Staatssicherheit wurde bedroht, und man sah sich gezwungen zu kämpfen. Die Siege Chinas waren moralische Siege, China hat dabei nicht nach materiellen Interessen gestrebt.

Nun wird China immer stärker. Angesichts der verstärkten Globalisierung ist die friedliche Diplomatie Chinas voller Vitalität. Seit Beginn der Reform und Öffnung bemüht sich China ständig, sich in die Welt zu integrieren. Seine Fortschritte sind eng mit denen der übrigen Welt verbunden. China ist längst ein untrennbarer Teil der internationalen Gemeinschaft geworden.

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