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Directory Of Year 1978, Issue 2
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Das Nankai-Krankenhaus

Year:1978 Issue:2

Column: Artikel

Author: Von unsevem Korrespondenten

Release Date:1978-03-01

Page: 5,6,7,17

Full Text:  


Dr. Wu Hsiän-dschung (Mitte) bei einer Diskussion über die Behandlung akuter Abdomene

Dr. Wu Hsiän-dschung (Mitte) bei einer Diskussion über die Behandlung akuter Abdomene


Mit elektrischer Akupunktur wird eine Bauchspeicheldrüsenentzündung behandelt.

Mit elektrischer Akupunktur wird eine Bauchspeicheldrüsenentzündung behandelt.

Das Nankai-Krankenhaus in Tientsin ist zwar nicht groß und modern, aber berühmt für seine erfolgreiche Verbindung von chinesischer und westlicher Medizin. Viele Ärzte kommen von anderen Landesteilen hierher, um aus diesen Erfahrungen zu lernen.

Ein akuter Fall

Am Samstag, kurz nach Mitternacht, brachte ein Ambulanzwagen einen Mann mittleren Alters zum Krankenhaus. Untersuchung und Röntgenaufnahme zeigten, daß ein Magengeschwür durchgebrochen war. Der Mann wurde im Krankenhaus untergebracht und ohne operativen Eingriff behandelt.

Der Patient, Sung Schu-tjüan, war 44 Jahre alt und ist Mechaniker in der Tientsiner Textildruckerei und -färberei Nr. 4. An jenem Abend hatte er plötzlich so starke Bauchschmerzen, daß er weder sitzen noch liegen konnte. Der Schweiß lief ihm übers Gesicht. In einem nahegelegenen Krankenhaus wollten die Ärzte ihn sofort operieren. Sung bat darum, ihn ins Nankai-Krankenhaus zu überweisen, das dafür bekannt ist, daß es solche Fälle ohne Operation behandelt.

Mittels Akupunktur wurden die Schmerzen gestillt, und man bemühte sich darum, den Verschluß der Perforationsstelle zu fördern. Durch Dauerabsaugung des Magens wurde der Druck reduziert, um das Austreten der Säfte aus dem Magen zu vermindern. Mittels Infusionen behandelte man den Wasserverlust des Kranken und stärkte die physiologischen Funktionen der inneren Organe.


Tierversuche mit chinesischen Arzneimitteln

Tierversuche mit chinesischen Arzneimitteln

Ein Elektromyogramm[注释1] und ein Elektrokardiogramm wurden gemacht, Eingeweidegeräusche und Atmung wurden von elektronischen Geräten beständig aufgezeichnet. Fünf Minuten später zeigte sich schon eine Besserung. Nach einer Stunde entspannte sich sein Bauch und die Schmerzen ließen merklich nach. Einige Stunden später, nachdem man eine Dosis traditionelle Medizin zur Absorbierung der Sekretion mit dem Magenschlauch verabreicht hatte, hatten die Schmerzen fast völlig aufgehört und er schlief ein. Sechs Tage bekam er oral traditionelle Medizin. Dann zeigte die Gastrofiberskopie, daß der Durchbruch verheilt war. Am siebten Tag wurde er aus dem Krankenhaus entlassen, nahm aber weiter ,,Anti-Magengeschwür“-Pillen ein, die sowohl aus westlicher als auch aus traditioneller chinesischer Medizin bestehen, wodurch die Heilwirkung erhöht ist. Sung war glücklich, daß er sich keiner Operation hatte unterziehen müssen, und daß er noch rechtzeitig in die Fabrik zurück konnte, um bei der Installierung einer neuen Anlage zu helfen. Für seine medizinische Behandlung mußte er nichts bezahlen. Für die Kosten — nur 30,7 Yuan — kam die Krankenkasse der Fabrik auf.

Das Gute übernehmen

Magengeschwürdurchbruch, akute Blinddarmentzündung, Darmverschluß, akute Bauchspeicheldrüsenentzündung, Gallenblasenentzündung, Gallensteinkollik, Wurmerkrankung im Gallengang, Bauchhöhlenschwangerschaft, alle diese Krankheiten sind gekennzeichnet durch plötzlich auftretende starke Schmerzen. Lebensgefahr droht. In den meisten Fällen verläßt sich hier die westliche Medizin auf die Operation. Der Patient kann so geheilt werden, denn das Krankheitsgebiet wird sofort entfernt. Nachteilig sind diese Eingriffe aber, weil sie schmerzhaft und in gewissen Fällen lebensgefährlich sind. Nach der Operation kann es zu Wundinfektionen und anderen Komplikationen kommen. Später können z. B. Verwachsungen auftreten. Mit der traditionellen chinesischen Medizin wird dies vermieden. Über Jahrtausende hinweg sammelte man hierin klinische Erfahrungen. Die Diagnose mit Hilfe der traditionellen chinesischen Medizin ist nur nicht so exakt und kann nicht so schnell erstellt werden.

War es möglich, die starken Seiten der chinesischen und der westlichen Medizin zu vereinen und so kritische akute Fälle zu behandeln? 1958 sagte Vorsitzender Mao: ,,Die chinesische Medizin und Pharmakologie stellen eine reiche Schatzkammer dar; man soll sich bemühen, sie nutzbar zu machen und sie auf eine neue Höhe zu bringen.“ Er rief das medizinische Personal dazu auf, chinesische und westliche Medizin miteinander zu verbinden. Seitdem wurden schon viele Fortschritte in dieser Richtung gemacht.

Seit 1962 hat das Nankai-Krankenhaus nahezu 10 000 akute Abdomene behandelt. In über 80% der Fälle von akuter Blinddarmentzündung, in über 90% der Fälle von Bauchspeicheldrüsenentzündung und Wurmerkrankung im Gallengang und in über 70% der Fälle von Magengeschwürdurchbruch und in über 50% der Fälle von Darmverschluß wurde nicht operiert. Das heißt natürlich nicht, daß man nie zu operieren braucht. Je nach dem Zustand des Patienten sucht man nach einer passenden Methode. Akute Fälle wurden medikamentös behandelt und gewissenhaft beobachtet. Falls nötig, wurde sofort operiert. Öfter operiert werden mußte bei mit Einklemmungen verbundenem Darmverschluß, nekrotischer Bauchspeicheldrüsenentzündung und komplizierten Durchbrüchen. Gleichgültig, welche Methode man auch anwandte, man bemühte sich darum, die wirksamsten Maßnahmen der westlichen und der chinesischen Medizin miteinander zu verbinden, um so bessere Ergebnisse zu erzielen.

Da die Erfolge in der Behandlung akuter Erkrankungen in der Bauchgegend ermutigend waren, begann das Nankai-Krankenhaus damit, chinesische und westliche Medizin in allen Abteilungen miteinander zu verbinden. 1977 wurden 179 von 222 allgemeinen Erkrankungen durch die Kombinationsmethode, d. h. die Verbindung westlicher und chinesischer Methoden, zufriedenstellend geheilt. In den letzten vier Jahren wurden 80% der 2000 akuten Erkrankungen in der Bauchgegend nicht operativ behandelt. Die Sterblichkeitsrate betrug dabei nur 1,2%. Die Sterblichkeitsrate bei den Herzinfarkten sank von 14,28% auf 11,8%. Bei 70% der Bronchitisfälle erreichte man in kurzer Zeit einen Behandlungseffekt. Außerdem hat man bei der Behandlung von Hautkrankheiten, offenen Geschwüren, Hämorrhoiden und Fisteln merkliche Fortschritte gemacht.

Das Krankenhaus ist heute ein Zentrum zur Erforschung der Prinzipien der chinesischen Medizin. Eine theoretische Grundlage für die Verbindung von traditioneller chinesischer und westlicher Medizin soll erarbeitet werden. Der Schwerpunkt liegt jetzt auf der Erforschung akuter Abdomene, Bronchitis, offenen Geschwüren und Herzkranzgefäßer-krankungen.

Das Nankai-Krankenhaus unterscheidet sich in einigem von anderen Krankenhäusern. Auf der Station für akute Erkrankungen in der Bauchgegend werden zum Beispiel die meisten Patienten nicht operativ behandelt. Die Chirurgen fragen die Patienten bei der Visite, wie sie sich nach der Einnahme chinesischer Medizin fühlen und erstellen zusätzlich eine Diagnose, die sich auf Zunge und Puls bezieht. Nur in wenigen Fällen muß man das Verheilen von Wunden überprüfen. Es ist schwierig festzustellen, von welcher Abteilung der Arzt ist, ob von der chirurgischen oder der inneren, ob er in der westlichen oder der chinesischen Medizin ausgebildet ist. Die Krankengeschichten sind umfangreicher. Sie enthalten nicht nur die Laborbefunde, sondern auch Diagnosen, die im Sinne der westlichen Schulmedizin und der chinesischen Medizin erstellt wurden. Bei einem Patienten, der an einer Herzkranzgefäßerkrankung leidet, werden zum Beispiel nicht nur das Kardiogramm und die Laborbefunde über den Cholesterin- und Triglyceridgehalt vermerkt, sondern auch die Diagnose des traditionellen chinesischen Arztes, einschließlich aller beobachteten inneren und äußeren Symptome. Über 80% der Krankenschwestern in Nankai haben Grundkenntnisse in der chinesischen Medizin und Pharmakologie. Viele davon kennen mehr als 120 Arten von chinesischen Medikamenten und 40 Akupunkturstellen. In der Krankenpflege verbinden sie die Methoden der westlichen und der chinesischen Medizin. In der Apotheke gibt es westliche und chinesische Medikamente. Jeder Zeit kann ein Heilkräutertee bereitgestellt werden.

Revolutionärer Ausblick

Mehr als 90% der Ärzte im Nankai-Krankenhaus, die ursprünglich in westlicher Medizin ausgebildet wurden, haben auch allgemeine Kenntnisse in der chinesischen Medizin. Ein Fünftel davon ist jetzt sogar in der Lage, auf dem Sektor der traditionellen chinesischen Medizin zu forschen. Fast alle durchliefen einen Prozeß vom Zweifeln zum Vertrauen, vom Schwanken zum Sicherwerden. Oder wie einer sagte: ,,Das ist eine Revolution. Eine Revolution, in der wir von den alten Gewohnheiten, den überlieferten Ideen und vom Egoismus befreit werden.“

Kurz nach der Befreiung kommentierte Liu Schao-tschi: ,,Die traditionelle chinesische Medizin wird schließlich durch westliche Medizin ersetzt werden.“ Davon beeinflußt dachten diejenigen Ärzte, die immer schon die chinesische Medizin verachtet hatten, daß sie im Recht wären. Diejenigen, die die Anweisung des Vorsitzenden Mao befolgt und traditionelle Medizin studiert hatten, wurden unsicher. Einer meinte: ,,Ob die chinesische Medizin eine Schatzkammer oder Schund ist, bleibt noch festzustellen.“ Besonders Chirurgen, die gehofft hatten, sich mit dem Skalpell einen Namen machen zu können, zweifelten daran und waren dagegen, weil sie fühlten, daß dies ihnen keinen persönlichen Gewinn bringen würde.

Ein Oberarzt für Chirurgie glaubte nicht an die Wirksamkeit der chinesischen Medizin. Er verschrieb zwar manchmal Kranken Heilkräuter zur Behandlung, fand dann aber doch wieder einen Vorwand, um operieren zu können. Er hoffte beweisen zu können, daß seine Methode besser als die Kombinationsmethode sei. Er änderte seine Meinung erst, als Ärzte mit der Kombinationsmethode Erfolge erzielten und besonders nachdem er mit einem mobilen Ärzteteam auf dem Land gewesen war. Eines Tages mußte er in einem abgelegenen Dorf einen Patienten mit einer akuten Blinddarmentzündung behandeln. Die Bedingungen erlaubten keine Operation. Um den Patienten in das Kreiskrankenhaus zu schicken, fehlte die Zeit — die Erkrankung war zu akut. Er verschrieb ihm traditionelle Heilkräuter zur Fiebersenkung und gegen Entzündungen.. Nach fünf Dosen war der Patient geheilt. Die Familienangehörigen des Kranken dankten ihm, als ob er ihr Retter wäre. Er war tief gerührt. Er erkannte, daß die Anwendung der Kombinationsmethode besser ist als der alleinige Gebrauch der westlichen Medizin, und daß es darauf ankommt, dem Volk zu dienen, und nicht darauf, sich mit dem Skalpell einen Namen zu machen.

Selbstverständlich haben nicht alle Ärzte ihr Denken verändert. Ein Arzt, der nach wie vor strikt gegen die Kombinationsmethode ist, ließ sich in ein anderes Krankenhaus versetzen. Einige gehen auch heute noch an diese Sache mit der Haltung ,,abwarten und Tee trinken“ heran. Aber die meisten medizinischen Mitarbeiter — Ärzte, Krankenschwestern, Laborpersonal und Apotheker — arbeiten tüchtig und gewissenhaft und sind entschieden für die Verbindung von chinesischer und westlicher Medizin. Sie versuchen ihre Arbeit ständig durch Praxis und Studium zu verbessern. Sie wissen, sie bahnen einen neuen Weg. 29 von ihnen wurden kürzlich als hervorragende Mitarbeiter ausgezeichnet.

Neue Aussichten

Dr. Wu Hsiän-dschung, 52 Jahre alt, Vizevorsitzender des Revolutionskomitees des Nankai-Krankenhauses und bekannter Chirurg, stand als erster auf der Ehrentafel des Krankenhauses. (Eine Ehrentafel ist eine Tafel, auf der die Namen vorbildlicher Personen einer bestimmten Arbeitseinheit aufgeschrieben oder Fotos von diesen Personen ausgestellt werden.) Er war Mitglied der chinesischen Delegation, die vor kurzem an der 27. Tagung der Internationalen Gesellschaft für Chirurgie, in Kioto, Japan, teilnahm. Auf dieser Tagung fand unser wissenschaftlicher Bericht über die Behandlung abdominaler Krankheiten mit der Kombinationsmethode viel Beachtung.


Heilkräuter werden vom Krankenhaus selbst zu Arzneien verarbeitet.

Heilkräuter werden vom Krankenhaus selbst zu Arzneien verarbeitet.

1948 war Dr. Wu Stationsarzt geworden. Ab 1959 studierte er zwei und ein halbes Jahr lang traditionelle chinesische Medizin. Seitdem bemühte er sich ständig um die Verbindung von westlichen und chinesischen Methoden. Heute strengt er sich an, um aus dem Nankai-Krankenhaus eine medizinische Institution neuen Typs zu machen.

Über die Erfahrungen in den letzten 20 Jahren sagte er: ,,Die Kombinationsmethode hat mir neue Aussichten eröffnet. In der Vergangenheit beurteilte ich eine Krankheit nur nach örtlichen und äußeren Symptomen und verließ mich dabei auf mein Skalpell. Meine Behandlungsmethoden waren dadurch beschränkt. Inzwischen habe ich gelernt, die Stärken der westlichen Schulmedizin und die der chinesischen traditionellen Medizin miteinander zu verbinden. Anstatt nur den Schwerpunkt auf Symptome und äußere Ursachen zu legen, achte ich jetzt auch auf die allgemeine körperliche Verfassung des Patienten und versuche seine Widerstandsfähigkeit gegen die Krankheit zu erhöhen. So kam ich zu neuen Erkenntnissen und fand neue Methoden. Bei der Behandlung des akuten Darmverschlusses z. B. ist das Wichigste die Durchgängigkeit des Darmkanals. Zunächst reduzieren wir die Bauchmuskelspannung, leeren die oberen Verdauungswege und schaffen so gute Voraussetzungen für die Aufnahme von traditionellen Medikamenten. Mit einer Infusion wirken wir dem Wasserentzug entgegen und stellen das Funktionieren der Organe wieder her. Falls nötig, geben wir eine Atropininjektion gegen Erbrechen. Wenn all dies erfolgt ist, verabreichen wir in kurzer Zeitabfolge traditionelle Abführmittel in großen Dosen. Im Anschluß werden durch einen Einlauf mit traditionellen Medikamenten oder Seifenwasser Darmgase und Stuhl zum Abgang gebracht. Auf diese Weise kann der Darmverschluß meistens sehr rasch beseitigt werden. Ist das nicht besser als eine Operation?

Wenn man einmal die alten Denkgewohnheiten überwunden hat, entdeckt man immer neue Forschungsthemen, und das Interesse wächst. In der Vergangenheit studierten wir nur westliche Medizin. Nun sind wir auf einem neuen Weg, haben neue Aussichten. Diese Kombinationsmethode ist sehr vielversprechend. Wir haben schon zufriedenstellende Ergebnisse bei der Behandlung von Krankheiten erzielt, aber wir müssen noch viel dafür tun, insbesondere für die Integration der Theorien der westlichen und chinesischen Medizin.“


[注释1]
Ein Verfahren, bei dem Muskelaktionsströme quantitativ ausgewertet und photographisch registriert werden.

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