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Directory Of Year 1978, Issue 2
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Eine neue chinesische Medizin

Year:1978 Issue:2

Column: Artikel

Author: Von Li Djing-we

Release Date:1978-03-01

Page: 2-4

Full Text:  


An der Medizinischen Hochschule Dschungschan in Schanghai gelang es dem medizinischen Personal, Nierenverpflanzungen mittels der Kombinationsmethode durchzuführen. Hier diskutieren sie über die Möglichkeit, das Blutvolumen der Niere beim getesteten Tier mit Hilfe chinesischer Kräutermedizin zu beeinflussen.

An der Medizinischen Hochschule Dschungschan in Schanghai gelang es dem medizinischen Personal, Nierenverpflanzungen mittels der Kombinationsmethode durchzuführen. Hier diskutieren sie über die Möglichkeit, das Blutvolumen der Niere beim getesteten Tier mit Hilfe chinesischer Kräutermedizin zu beeinflussen.

Vorsitzender Mao rief 1953 das medizinische Personal in ganz China dazu auf, traditionelle chinesische und westliche Medizin und die entsprechenden Pharmakologien miteinander zu verbinden und eine neue Medizin zu schaffen. Dies war ein großes Ideal. Dies ist auch ein wichtiger Umstand bei Chinas Versuch, die Wissenschaft und Technik bis zum Ende dieses Jahrhunderts zu modernisieren.

Die traditionelle chinesische Medizin entstand und entwickelte sich im jahrtausendelangen Kampf der Massen gegen Krankheiten. Sie beruht auf reichen klinischen Erfahrungen und verfügt über ein eigenes theoretisches System. Ab der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts wurde die moderne Medizin aus Europa in China bekannt und zwar als ,,westliche Medizin“. Seither existieren diese beiden Medizinen nebeneinander. Aber die herrschenden Klassen im alten China, die mit den Imperialisten zusammenarbeiteten, um ihre Macht erhalten zu können, waren für die sklavische Anbetung alles Ausländischen und mißachteten die eigene Kultur. Sie verleumdeten die traditionelle chinesische Medizin als unwissenschaftlich und verdrängten sie aus den Krankenhäusern. 1929 verbot die Kuomintang-Regierung sogar gesetzlich die traditionelle Medizin. Trotzdem vertrauten die Volksmassen nach wie vor auf die bewährten Vorbeugungs- und Heilmethoden. Die traditionellen Ärzte protestierten öffentlich und praktizierten weiter. Viele wirkungsvolle Arzneimittel und Rezepte waren den Volksmassen bekannt.

Verbindung von chinesischer und westlicher Medizin

Nach der Gründung der Volksrepublik China im Jahre 1949 bemühten sich Vertreter der westlichen Schulmedizin und der traditionellen chinesischen Medizin darum, entsprechend der Linie des Vorsitzenden Mao voneinander zu lernen und ihr Wissen und ihre Erfahrungen miteinander zu verbinden. In den vergangenen 28 Jahren hielten sie standhaft an der revolutionären Linie des Vorsitzenden Mao fest, bekämpften ununterbrochen die revisionistische Linie und kritisierten, daß die traditionelle Medizin verachtet wurde.

Zahlreichen traditionellen Ärzten und Pharmakologen wurden von Krankenhäusern, medizinischen Hochschulen und Forschungsinstituten Arbeitsmöglichkeiten angeboten. In den Minoritätengebieten hatten traditionelle mongolische und tibetische Ärzte dieselbe Chance. Erfahrene traditionelle Ärzte spielen eine immer größere Rolle. Inzwischen haben auch viele Mediziner der westlichen Schule ein bis zwei Jahre lang traditionelle Medizin studiert; und die traditionelle chinesische Medizin wurde durch die Einbeziehung moderner wissenschaftlicher Methoden verbessert. Bei der Therapie werden chinesische und westliche Medizin miteinander kombiniert. Alte Ärzte der chinesischen Medizin vermitteln ihre wertvollen Erfahrungen und ihr theoretisches Wissen. Zahllose empirische Rezepte wurden von den Volksmassen beigesteuert. 600 klassische medizinische Werke und Bücher über die klinischen Erfahrungen der alten chinesischen Ärzte und über die Kombinationsmethode erschienen mit einer Auflage von über 30 Millionen Exemplaren. Auch auf die Erforschung und Herstellung chinesischer Heilkräuter wird große Aufmerksamkeit gelegt. Die Anbaufläche der Heilpflanzen ist bedeutend größer als in der Vergangenheit. Man baut heute Heilpflanzen aus dem Süden im Norden an und umgekehrt. Überdies wird der Anbau vieler wildwachsender Heilpflanzen systematisch betrieben. Viele wilde Tiere, von denen Bestandteile oder Absonderungen zu Heilzwecken benutzt werden, werden heute gezüchtet. Eine Reihe chinesischer Arzneien werden heute mit modernen wissenschaftlichen Methoden hergestellt.

Die chinesische und die westliche Medizin entwickelten sich unter verschiedenen historischen Bedingungen. Jede hat ihre Vor- und Nachteile und ihre Grenzen. Das medizinische Personal in China bemüht sich darum, das Gute beider Schulen durch kritische und dialektisch-materialistische Analyse herauszukristallisieren, zu übernehmen und sich anzueignen. Durch Forschung und Praxis wird so ein neues medizinisches System geschaffen, das beiden Schulen überlegen ist.


Kommunemitglieder in der Schanghaier Vorstadt pflücken Saflorblüten, eine Heilpflanze.

Kommunemitglieder in der Schanghaier Vorstadt pflücken Saflorblüten, eine Heilpflanze.


Im Krankenhaus für Traditionelle Chinesische Medizin der Nationalen Minderheiten in dem Uigurischen Autonomen Gebiet Sinkiang lernen junge Ärzte von einem alten uigurischen Arzt.

Im Krankenhaus für Traditionelle Chinesische Medizin der Nationalen Minderheiten in dem Uigurischen Autonomen Gebiet Sinkiang lernen junge Ärzte von einem alten uigurischen Arzt.

Zu Beginn konsultierten die Vertreter der beiden Schulen einander selten. So beschränkte man sich etwa darauf, nach westlicher Medizin die Diagnose zu erstellen, nach traditioneller chinesischer Medizin zu behandeln und schließlich gemeinsam zu beobachten und zu schlußfolgern. Heute erstellen die Mediziner beider Schulen gemeinsam die Diagnose, behandeln und beobachten gemeinsam und fassen gemeinsam das Resultat zusammen. Durch diese Zusammenarbeit ergaben sich neue Therapien, neue Theorien und Techniken. Die neuen Therapiemethoden sind oft einfacher, wirtschaftlicher und wirksamer.

Erste Erfolge

Die Vorteile der Kombinationsmethode wollen wir an zwei Beispielen darstellen. Bei Erkrankungen der Atemorgane, bei Schnupfen, Erkältung, chronischem Luftröhrenkatarrh, hat man gute Heilerfolge mit der Kombinationsmethode. Chronischer Luftröhrenkatarrh tritt in China häufig auf. Seit 1970 haben 200 000 medizinische Mitarbeiter überall auf dem Land in den Grenz- und Gebirgsgebieten sowie Industrierevieren Massenuntersuchungen bei chronischem Luftröhrenkatarrh durchgeführt und an Ort und Stelle behandelt. Gleichzeitig sammelten sie viele unter den Volksmassen verbreitete Rezepte, stellten Erfahrungen lokaler Ärzte der chinesischen Schule zusammen und lasen klassische medizinische Dokumente daraufhin durch. Sie fanden dabei mehrere hundert Arten von Heilkräutern, die bei Husten, Asthma und Bronchitis die Beschwerden reduzieren oder diese Erkrankungen ganz heilen können. Bei der weiteren Forschung stellten sich über zwanzig Arten davon als besonders heilkräftig heraus. Diese neuen Arzneien wurden dann zur Anwendung empfohlen. Mujing (Vitex Cannabifolia S. et. Z.), eine Keuschbaumart, eine Heilpflanze, wurde zum Beispiel umfangreich in den südchinesischen Provinzen Kiangsu und Tschekiang bei Husten und Asthma angewandt. Bei ihrer chemischen Analyse entdeckte man ein aus 17 chemischen Elementen bestehendes ätherisches Öl, das zur Vorbeugung bzw. zur Therapie von Luftröhrenkatarrh Verwendung findet. Man gewann das Öl aus den Blättern und verarbeitete es zu Kapseln oder Emulsionen. Patienten, die an Luftröhrenkatarrh erkrankt waren und mit diesen Kapseln oder Emulsionen behandelt wurden, gesundeten schneller als diejenigen, die man mit einem Absud dieser Pflanze behandelte. Der Luftröhrenkatarrh ging zurück oder heilte aus. Hierauf basierend erforschten die medizinischen Mitarbeiter die Anwendungs-möglichkeiten von Huangjing (Vitex negundo) und Jingtiao (Vitex incisa), Pflanzen, die der gleichen Gattung wie Mujing angehören und in Nordchina häufig vorkommen. Man hatte ähnliche Heilerfolge, was mit Tierversuchen und klinischen Beobachtungen bewiesen wurde. Die Herstellung von Öipräparaten aus diesen drei Pflanzen wurde möglich durch die Verbindung von chinesischer und westlicher Medizin. Sie sind nun gängige Mittel, um Luftröhrenkatarrh vorzubeugen und zu behandeln. Lungenemphysemen[注释1] und damit zusammenhängenden Herzerkrankungen kann entgegengewirkt, die Häufigkeit dieser Erkrankungen innerhalb der Bevölkerung reduziert werden. Diese neuen Heilmittel kann man überall in China herstellen.

Als weiteres Beispiel für die Vorteile der Kombinationsmethode sei die Behandlung von Mastdarmvorfall, Hämorrhoiden und Fisteln angeführt. In der traditionellen chinesischen Medizin verfügt man diesbezüglich über reiche Erfahrungen. Aber durch die Verbindung beider Schulen wurde ein noch größerer Heilerfolg erzielt. Chirurgische Eingriffe haben manchmal Afterinkontinenz (der Stuhlgang kann nicht zurückgehalten werden) oder Afterverengung zur Folge, insbesondere bei komplizierten Afterfisteln. Wie die Statistik belegt, wurden inzwischen etwa zehntausend Patienten mit der Fadentherapie behandelt. Diese Kombinationsmethode ist hocheffektiv, verursacht wenige Komplikationen und macht dem Patienten wenig Beschwerden. (Fisteln und Hämorrhoiden werden mit Fäden abgebunden und nach dem Absterben operativ beseitigt.) Die Methode ist auch leicht zu erlernen. Bei über viertausend Patienten, die seit 1957 am Forschungsinstitut für Traditionelle Chinesische Medizin behandelt wurden, betrug die Erfolgsquote 99 Prozent. Bei den Kontroll- und Nachuntersuchungen, die man sieben Jahre lang durchführte, gab es nur zwei Rückfälle auf 1000 Patienten.

Neue Anwendungsbereiche

Können Verbrennungen mit der Kombinationsmethode erfolgreich behandelt werden? Anfangs glaubte man nicht, daß man traditionelle Kräutermedizin bei Verbrennungen, insbesondere bei Verbrennungen 3. Grades, bei denen 80-90% der Körperoberfläche betroffen sind, anwenden könnte. Doch das Gegenteil wurde durch die Praxis bewiesen. 154 Patienten mit Gewebsschädigun-gen auf 30-81% der Körperoberfläche konnten ohne intravenöse Infusion geheilt werden. Es trat kein Schock auf. Bei 105 Patienten, deren Körperoberfläche zu 30— 99% betroffen war, wurde der Schock mit Hilfe geringer Infusionen bekämpft. Einige Heilkräuter bewahrten die Brandwunden effektiv vor Infektionen. In Peking, Schanghai und in der Provinz Anhui wurden die Patienten mit Verbrennungen 3. Grades, bei denen 80-90% der Körperoberfläche betroffen waren, mit der Kombinationsmethode erfolgreich behandelt. Und die Sterblichkeitsrate wurde reduziert.

Kennzeichnend für die traditionelle chinesische Medizin ist das langsame und schrittweise Regulieren der Organismusfunktionen. Würde sie auch für die Behandlung kardiovaskulärer (Herz und große Blutgefäße betreffende) Krankheiten, die oft plötzlich auftreten, verwendbar sein? Die Sterblichkeitsrate bei den akuten Herzinfarkten sank erheblich, seitdem die Kombinationsmethode eingeführt wurde. Nach der Statistik sank die Sterblichkeitsrate bei tausend Patienten in 13 Krankenhäusern in Peking von 20,7% im Jahre 1975 auf 14,6% 1976. (1971, als chinesische und westliche Medizin noch nicht miteinander verbunden wurden, lag die Sterblichkeitsrate bei 45,3%.) Über 50% dieser tausend Patienten bekamen in den ersten 24 Stunden nach ihrer Überführung ins Krankenhaus traditonelle Heilmittel. Die Sterblichkeitsrate lag bei 11,6%. Bei anderen, die erst nach 24 Stunden traditionelle Heilmittel erhielten, betrug die Sterblichkeitsquote 19%.

1973 gab es in einem Hospital des Forschungsinstituts für Traditionelle Chinesische Medizin in Peking einen besonderen Notfall. Bei einem Patienten mit akutem Herzinfarkt trat 19 Minuten lang Herzstillstand ein. Die Ärzte behandelten den Fall mit der Kombinationsmethode. Einerseits wurde künstlich beatmet und Mittel zur Blutdrucksteigerung verabreicht, andererseits gab man dem Patienten chinesische Medikamente — ein Pulskräftigungsmittel, ,,Antischock Nr. 1“ und ein besonderes Gemisch zur Behandlung des Herzinfarkts, um den Blutkreislauf zu stimulieren. Der Patient erholte sich nach und nach, war jedoch noch ohnmächtig. Nach neun Tagen war er wieder bei vollem Bewußtsein. Nach achtunddreißig Tagen war er genesen und verließ das Hospital.

Das medizinische Personal in ganz China bemühte sich auch besonders darum, Krebs mit der Kombinationsmethode zu heilen. Man studierte klassische medizinische Werke, analysierte traditionelle Heilmittel und behandelte mit chinesischer Medizin die Komplikationen, die durch postoperative Chemo- und Radiotherapie verursacht wurden. Daraus sammelte man reichhaltige und wichtige Daten. Manche Heilmittel können, wie die Erfahrung beweist, Gewebswucherungen im Epithelgewebe[注释2] der Speiseröhre verhindern. Manche können Rückgänge bei bestimmten bösartigen Geschwülsten herbeiführen, andere kräftigen die Patienten, reduzieren die Schmerzen und verlängern das Leben. Tierversuche ergaben, daß die nachfolgende Generation der mit diesen Heilmitteln behandelten Tiere gegen bestimmte Krebsformen immun ist. Einige chinesische Heilmittel sind so wirksam, daß sie bei Patienten, die die Chemo- oder Strahlentherapie schlecht vertragen, ersatzweise eingesetzt werden können. Die Experimente sind noch im Anfangsstadium. Dennoch haben sich für die Behandlung bestimmter Krebserkrankungen gute Perspektiven eröffnet.

Vor einiger Zeit begann man damit, Knochenbrüche und akute Abdomene[注释3] mit der Kombinationsmethode zu behandeln. Diese Therapiemethode erfuhr eine ständige Verbesserung. Zur Zeit bemühen sich viele medizinische Mitarbeiter um die theoretische Integration der chinesischen Medizin und der westlichen Schulmedizin auf der Basis ihrer langjährigen Praxis.

Umfangreiche Forschungsarbeiten zielen auf eine neue chinesische Medizin ab. Man lehrt sie bereits, Vorbeugung und Behandlung orientieren sich an ihr. Seit längerer Zeit ist man davon abgekommen, nur einzelne Krankheiten damit zu behandeln, sich nur auf bestimmte Arzneien und Methoden zu beschränken. Viele Krankenhäuser bemühen sich darum, beide Schulen leistungsvoll zu kombinieren. Die Integration beider Medizinen zu einer neuen Theorie wird aber sicherlich auch in der Zukunft noch viele Probleme mit sich bringen.


[注释]
Li Djing-we ist Leiter der Abteilung für Medizingeschichte und Dokumentation am Forschungsinstitut für Traditionelle Chinesische Medizin in Peking.

[注释1]
Lungenemphysem: die Lungenbläschen sind krankhaft erweitert.

[注释2]
Epithelgewebe: gefäßfreies Gewebe, das die äußere Oberfläche und die inneren Hohlräume menschlicher und tierischer Körper überkleidet.

[注释3]
akutes Abdomen: ein klinischer Befund, der alle Anzeichen der umschriebenen oder diffusen Bauchfellentzündung aufweist.

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